Das Wichtigste in Kürze

  • Einseitige Taubheit bedeutet, dass nur ein Ohr hört, was zu Einschränkungen beim Richtungshören, Sprachverstehen und der allgemeinen Höranstrengung führt.
  • Die Ursachen reichen von Infektionen und genetischen Syndromen bis hin zu plötzlichem Hörverlust oder physischen Schäden.
  • Zur Therapie stehen verschiedene technische Lösungen wie CROS, BiCROS oder BAHA zur Verfügung, die den Höralltag deutlich erleichtern können.
  • Bei Hörakustik Köhn begleiten wir Betroffene individuell auf dem Weg zu besserem Hören, auch bei einseitiger Taubheit.

Einseitige Taubheit – was bedeutet das?

Einseitige Taubheit
Einseitige Taubheit: Hören mit nur einem Ohr fordert und erschöpft

Wenn nur ein Ohr hört, ist vieles anders. Menschen mit einseitiger Taubheit, auch bekannt als Single-Sided Deafness (SSD), stehen im Alltag vor ganz eigenen Herausforderungen. Obwohl ein Ohr noch gut funktioniert, bedeutet das nicht automatisch, dass Hören problemlos möglich ist.

Störlärm wird zur Belastung, weil das gesunde Ohr keine Unterstützung vom anderen bekommt. Besonders in geräuschvollen Umgebungen fällt es schwer, Sprache klar zu verstehen.

Hinzu kommt der Verlust des Richtungshörens. Geräusche können nicht mehr eindeutig lokalisiert werden, das erschwert die Orientierung im Raum und im Straßenverkehr.

Auch die Lautstärke wird subjektiv leiser wahrgenommen. Zwei Ohren hören eben nicht nur besser, sondern auch entspannter. Wer von einseitiger Taubheit betroffen ist, muss sich beim Hören deutlich mehr anstrengen.

Das kann zu Erschöpfung, Kopfschmerzen und Stress führen.

Für Kinder mit einseitiger Taubheit kann dies besonders folgenreich sein. Obwohl sie grundsätzlich Sprache erlernen können, kommt es häufig zu verzögerter Sprachentwicklung oder schulischen Schwierigkeiten.

Betroffene mit einseitiger Taubheit stehen oft „zwischen den Welten“, sie gehören weder zu den vollständig Hörenden noch zu den beidseitig Ertaubten. Deshalb ist es wichtig, auf ihre besonderen Bedürfnisse einzugehen.

Mögliche Ursachen einer einseitigen Gehörlosigkeit

Einseitige Taubheit kann ganz plötzlich auftreten, oder sich schleichend entwickeln. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von Infektionen bis hin zu körperlichen Verletzungen.

Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • Krankheiten wie Mumps, Masern oder Meningitis, die das Innenohr oder den Hörnerv dauerhaft schädigen können

  • Probleme im Innenohr, etwa durch bakterielle oder virale Infektionen

  • Plötzliche Taubheit, bei der das Gehör auf einem Ohr innerhalb kürzester Zeit verloren geht

  • Druck auf den Hörnerv, zum Beispiel durch gutartige Tumoren (Akustikusneurinom)

  • Physische Beschädigung des Ohrs, etwa durch einen Unfall oder operativen Eingriff

Die Diagnose sollte stets durch Fachärzt*innen erfolgen, um eine geeignete Therapie oder Versorgung, etwa mit einem Cochlea-Implantat, zu prüfen.

Bei Hörakustik Köhn nehmen wir uns die Zeit, gemeinsam mit Ihnen den besten Weg zu finden. Auch wenn nur ein Ohr betroffen ist, ist gutes Hören ein ganzheitliches Thema.

Therapieoptionen bei einseitiger Taubheit

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Wer unter einseitiger Taubheit leidet, hat heutzutage mehrere Möglichkeiten, das Hören im Alltag deutlich zu verbessern. Je nach individueller Hörsituation kommen unterschiedliche technische Lösungen infrage.

CROS – Kontralaterale Signalweiterleitung

Die sogenannte CROS-Versorgung ist besonders geeignet für Menschen, die auf einem Ohr kein nutzbares Hörvermögen mehr haben, während das andere Ohr normal funktioniert.

Bei dieser Lösung werden zwei Geräte eingesetzt: Ein Sender sitzt auf der tauben Seite und überträgt den Schall kabellos an ein Hörgerät auf der besser hörenden Seite. Beide Geräte sehen aus wie klassische Hörsysteme, erfüllen jedoch unterschiedliche Aufgaben.

BiCROS – Für beidseitige Hörbeeinträchtigung

Die BiCROS-Technologie ist eine Weiterentwicklung des CROS-Systems. Sie eignet sich für Menschen, bei denen einseitige Taubheit besteht, das besser hörende Ohr aber ebenfalls eine gewisse Hörminderung aufweist.

Auch hier wird der Schall von der tauben Seite an das bessere Ohr übertragen. Zusätzlich sorgt das Hörgerät auf der besseren Seite für eine individuelle Verstärkung, um den dort vorhandenen Hörverlust auszugleichen. Das System hilft also doppelt: Es überwindet den sogenannten Kopfschatteneffekt und gleicht den Hörverlust auf der besseren Seite aus.

CROS- und BiCROS-Lösungen sind von namhaften Herstellern wie Signia, Starkey, Widex und Phonak erhältlich.

BAHA – Knochenverankertes Hörsystem

Eine weitere Option bei einseitiger Taubheit ist das sogenannte BAHA-System (Bone Anchored Hearing Aid). Dieses arbeitet nicht mit Luftschall, sondern nutzt die Knochenschallübertragung.

Ein kleiner Soundprozessor, der an einem Implantat oder Magnet am Schädel befestigt ist, überträgt die Schallschwingungen direkt über den Knochen an das besser hörende Ohr. Die Cochlea auf der funktionierenden Seite nimmt diese Vibrationen wahr, so entsteht der Höreindruck, als käme der Ton von der betroffenen Seite.

BAHA-Systeme sind besonders komfortabel. Anbieter wie Cochlear und Oticon Medical haben hier passende Lösungen entwickelt.

FAQ

Ja, auch einseitige Taubheit kann genetisch bedingt sein. In manchen Fällen ist sie angeboren und entsteht bereits vor der Geburt.

Häufig liegt auch eine autosomal-rezessive Vererbung vor, das bedeutet, beide Elternteile tragen das entsprechende Gen, ohne selbst betroffen zu sein. Es gibt zudem genetische Syndrome, bei denen eine Taubheit eines der Hauptsymptome ist.

Bei Verdacht auf eine einseitige Taubheit ist eine sorgfältige Diagnostik entscheidend. Moderne Hörtests helfen, die Ursache zu bestimmen und gezielt zu behandeln.

Ein objektiver Hörtest kann vor allem bei Kindern Aufschluss über die Funktion des Hörnervs geben, ganz ohne aktive Mitarbeit des Kindes. Die Messung otoakustischer Emissionen erlaubt es, die äußeren Haarzellen im Innenohr zu überprüfen, häufig ergänzt durch eine Gleichgewichtsprüfung.

Bei Verdacht auf strukturelle Veränderungen in der Hörschnecke (Cochlea) oder am Hörnerv bieten bildgebende Verfahren wie CT oder MRT zusätzliche Klarheit.

Gerade bei einseitiger Taubheit gibt es heute zahlreiche Versorgungsmöglichkeiten, von klassischen Hörgeräten bis hin zu modernen Hörimplantaten.

Wichtig ist: Je früher eine Hörminderung erkannt wird, desto besser lassen sich Folgeprobleme, etwa in der Sprachentwicklung bei Kindern, vermeiden oder mindern.

Für viele Betroffene ist ein individuell angepasstes Hörgerät bereits ein großer Schritt zu mehr Lebensqualität. Es kann etwa das räumliche Hören wieder ermöglichen und hilft, die täglichen Herausforderungen besser zu meistern.

In manchen Fällen, etwa bei kompletter Ertaubung eines Ohrs, kann auch ein Cochlea-Implantat eine sinnvolle Lösung sein. Es übernimmt die Funktion des geschädigten Innenohrs und leitet die Schallsignale direkt an den Hörnerv weiter.

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Peggy Köhn-Döhr

Logoklein

Hörakustikmeisterin & Audiotherapeutin nach EUHA
Geschäftsführerin