Das Wichtigste in Kürze
- Morbus Menière führt zu einer schwankenden Hörminderung, die häufig von Schwindel, Tinnitus und einem Druckgefühl im Ohr begleitet wird.
- Moderne Hörgeräte können den Hörverlust zwar nicht heilen, aber das Sprachverstehen verbessern und den Alltag deutlich erleichtern.
- Da sich das Hörvermögen verändern kann, sind eine individuelle Anpassung der Hörgeräte und regelmäßige Nachkontrollen besonders wichtig.
- Reichen klassische Hörgeräte nicht mehr aus, können je nach Hörsituation auch CROS, BiCROS, Knochenleitungslösungen oder ein Cochlea Implantat geeignete Alternativen sein.
Hörgeräte bei Morbus Menière: Individuelle Lösungen für ein schwankendes Gehör

Morbus Menière stellt Betroffene vor besondere Herausforderungen. Im Gegensatz zu vielen anderen Formen der Hörminderung kann sich das Hörvermögen innerhalb kurzer Zeit verändern. An manchen Tagen fällt das Verstehen von Gesprächen leichter, an anderen wirken Stimmen dumpf, verzerrt oder deutlich leiser. Häufig treten zusätzlich Ohrgeräusche, ein Druckgefühl im Ohr sowie wiederkehrende Schwindelanfälle auf.
Diese schwankende Hörleistung führt oft zu der Frage, ob eine Versorgung mit Hörgeräten überhaupt sinnvoll ist. Die Anpassung ist zwar anspruchsvoller als bei einer gleichbleibenden Hörminderung, moderne Hörsysteme bieten jedoch zahlreiche Möglichkeiten, sich an unterschiedliche Hörsituationen anzupassen. Voraussetzung dafür sind eine sorgfältige Höranalyse, eine individuelle Einstellung der Hörgeräte und realistische Erwartungen an die Versorgung.
Bei Hörakustik Köhn verstehen wir die Hörgeräteanpassung bei Morbus Menière als fortlaufenden Prozess. Da sich das Hörvermögen verändern kann, reicht eine einmalige Einstellung häufig nicht aus. Regelmäßige Kontrolltermine und eine individuelle Feinabstimmung helfen dabei, die Hörgeräte an die aktuelle Hörsituation anzupassen.
Was ist Morbus Menière?
Morbus Menière ist eine Erkrankung des Innenohrs. Typisch sind wiederkehrende Drehschwindelanfälle, eine schwankende Innenohrschwerhörigkeit, Ohrgeräusche, auch Tinnitus genannt, sowie ein Druck oder Völlegefühl im betroffenen Ohr. Die Beschwerden treten zunächst meist nur auf einer Seite auf. Im weiteren Verlauf kann bei einem Teil der Betroffenen auch das zweite Ohr betroffen sein.
Für eine sichere Diagnose sind mehrere Untersuchungen erforderlich. Dazu gehören unter anderem wiederkehrende spontane Schwindelanfälle, eine durch Hörtests nachgewiesene Innenohrschwerhörigkeit sowie die typischen schwankenden Ohrbeschwerden. Die Diagnose wird grundsätzlich von einem HNO Arzt oder einer spezialisierten neurootologischen Einrichtung gestellt. Ein einzelner Hörtest reicht dafür nicht aus.
Da auch andere Erkrankungen ähnliche Beschwerden verursachen können, ist eine sorgfältige Abklärung wichtig. Dazu zählen beispielsweise eine vestibuläre Migräne, ein Hörsturz, bestimmte Autoimmunerkrankungen oder ein Vestibularisschwannom. Erst durch eine umfassende Differenzialdiagnostik lässt sich feststellen, ob tatsächlich Morbus Menière vorliegt.
Können Hörgeräte bei Morbus Menière helfen?

Grundsätzlich ja. Hörgeräte können den Hörverlust bei Morbus Menière ausgleichen, sie behandeln jedoch nicht die Ursache der Erkrankung. Schwindelanfälle können dadurch nicht verhindert und das Fortschreiten der Erkrankung nicht aufgehalten werden. Ziel der Versorgung ist es, das Hören im Alltag zu erleichtern und die Verständigung zu verbessern.
Ein Hörgerät kann besonders dann sinnvoll sein, wenn Sie Schwierigkeiten haben,
Wie stark sich das Hören verbessert, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Neben dem Hörtest spielen auch das Sprachverstehen, die Schwankungen des Hörvermögens, die Dauer der Erkrankung, das Hörvermögen des zweiten Ohres sowie Ihre persönlichen Hörsituationen im Alltag eine wichtige Rolle. Da sich das Gehör bei Morbus Menière verändern kann, ist es außerdem hilfreich, verschiedene Hörprogramme zu nutzen und die Einstellungen regelmäßig gemeinsam mit Hörakustik Köhn anzupassen.
Wann reichen klassische Hörgeräte nicht aus?
Nicht jede Hörminderung bei Morbus Menière lässt sich mit einem klassischen Hörgerät ausreichend versorgen. Grenzen können erreicht sein, wenn das Sprachverstehen trotz optimal eingestellter Hörgeräte deutlich eingeschränkt bleibt oder eine hochgradige bis an Taubheit grenzende Innenohrschwerhörigkeit vorliegt. In solchen Fällen kommen je nach Hörsituation andere Versorgungsmöglichkeiten infrage.
CROS und BiCROS Versorgung
Ist ein Ohr nicht mehr sinnvoll mit einem Hörgerät versorgbar und das andere Ohr hört normal, kann ein CROS System eine geeignete Lösung sein. Dabei werden Geräusche von der schlechter hörenden Seite drahtlos auf das besser hörende Ohr übertragen.
CROS und BiCROS Systeme verbessern vor allem die Wahrnehmung von Stimmen und Geräuschen auf der schlechter hörenden Seite. Das natürliche Hören mit beiden Ohren wird dadurch jedoch nicht vollständig ersetzt. Besonders das Richtungshören und das Sprachverstehen in lauter Umgebung können weiterhin eingeschränkt sein.
Knochenleitungsversorgung
In bestimmten Fällen kann auch ein Knochenleitungssystem infrage kommen. Dabei werden Schallwellen über den Schädelknochen direkt an das besser hörende Innenohr übertragen. Ob diese Versorgung geeignet ist, hängt vom individuellen Hörvermögen, den medizinischen Voraussetzungen und Ihren persönlichen Anforderungen ab.
Cochlea Implantat
Bei einer hochgradigen bis an Taubheit grenzenden Innenohrschwerhörigkeit kann ein Cochlea Implantat eine mögliche Behandlungsoption sein, wenn herkömmliche Hörgeräte keinen ausreichenden Nutzen mehr bieten.
Auch Menschen mit Morbus Menière können grundsätzlich erfolgreich mit einem Cochlea Implantat versorgt werden. Ob diese Versorgung sinnvoll ist, wird in einem spezialisierten Zentrum sorgfältig geprüft. Dabei werden unter anderem das Sprachverstehen mit optimal angepassten Hörgeräten, das Hörvermögen des anderen Ohres sowie die individuelle medizinische Situation berücksichtigt.


